„Kleine Eisgeschichte“

 

Iß und trink: Die Sonne ist heiß und somit wirst du dich erfrischen. Mit diesen Worten aus der Bibel wendet sich Isaak an Abraham und bietet ihm Schnee, gemischt mit Ziegenmilch an. Es ist eine der ersten schriftlichen Urkunden, die von einem Produkt sprechen, das als Vorgänger des modernen Eises bezeichnet werden kann. Seit dem Altertum war unter der Bevölkerung Vorderasiens die Kühlung von Obstsäften und anderen süßen Nährstoffen weit verbreitet.

Andere Schriften sagen, daß sogar König Salomon Schnee mit Zucker oder mit Obstsaft gemischt aß. Die ägyptischen Pharaonen boten ihren Gästen Schalen an, die in zwei Teile geteilt waren. Sie wurden mit Schnee und zur Hälfte mit Obstsaft gefüllt.

Die Römer gründeten ein Schneegewerbe, das vom Monte Terminillo und vom Vesuv kam. Der Schnee wurde als eiskaltes Getränk sowohl an die "Thermopolia" (Lokale, die entlang der Straßen des Reiches sehr verbreitet waren) geliefert, als auch an die Paläste der Patrizier, wo der Schneeverbrauch, mit Obstsäften gemischt, auch von höheren Ständen geschätzt wurde. Viele berühmte Persönlichkeiten, wie Cäsar, Antonius, Nero und Elogabalo werden in mehreren Manuskripten aus verschiedenen Epochen als Liebhaber des frischen Produktes genannt. Nach dem Untergang des Römischen Reiches ist in Europa der Genuss dieser Raffinesse fast verschwunden. Dasselbe kann man nicht vom Orient sagen, wo eine Methode entwickelt wurde, um Obstsäfte zu gefrieren, indem man sie in Gefäße goß, die von gehacktem Eis umgeben waren. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war dies die Methode, um Eis herzustellen. 

Die Araber waren diejenigen, die das Eis wieder im Süden Europas, und vor allem in Sizilien, einführten. Ihr Eis wurde "Scherbet" genannt. Von Sizilien aus begann dann eine richtige "Invasion" des Eises in Richtung Nordeuropa, mit wichtigen Etappen, die auf entscheidende Weise das moderne Eis bestimmt haben.

Während der Renaissancezeit wurde in Florenz ein Eis hergestellt, das dem unseren sehr ähnlich ist. Die Ersten, die sich mit der Eisherstellung beschäftigt haben, waren Ruggeri und der berühmte Architekt und Urbanistiker Bernardo Buontalenti.

Unter der Gleichgültigkeit aller Teilnehmer, beteiligte sich um Jahr 1500 der Hähnchenverkäufer Ruggeri an einem Wettbewerb, der am Hof der Medici veranstaltet wurde. Das Thema war "das sonderbarste Gericht, das je gesehen worden ist". Berühmte Köche und hervorragende Küchenexperten machten sich zu Beginn des Wettbewerbs über den armen Ruggeri lustig, mußten aber ihre Meinung über seine Fähigkeiten ändern, als die Jury ihm den ersten Preis mit folgender Begründung aushändigte: "Wir haben noch nie ein solch köstliches Dessert gekostet. Ruggeri wurde berühmt, verlor aber gleichzeitig seinen Frieden.

Caterina de' Medici, die zukünftige Braut des französischen Thronfolgers, des Prinzen von Orleans entschloß sich, Ruggeri nach Paris mitzunehmen, um "den einzigen Italiener bei sich zu haben, der die Franzosen demütigen konnte", ... wenigstens in der Küche. Ab 1533 wurde Ruggeri so berühmt, daß kein Tag verging, ohne daß Caterina de' Medici außergewöhnliche Angebote erhielt, um den gewandten Eishersteller abzutreten. Berühmt und vom Pariser Adel gern gemocht, wurde er von der Mehrzahl der französischen Köche gehaßt, und einige von ihnen organisierten sogar einen Hinterhalt, um ihn von seinem Beruf abzuhalten. Sie schafften es. Ruggeri verschloß in einem Umschlag sein Eisrezept, ließ es Caterina de' Medici zukommen und verkaufte wieder Hähnchen.

Bernardo Buontalenti wurde, außer für seine geschätzten Eigenschaften als Architekt und Urbanist, auch für das gute Eis berühmt, das er anläßlich des Besuches einer Gruppe von spanischen Diplomaten in Florenz herstellte. Die Medici waren den Spaniern sehr dankbar und beschlossen, daß ihr Aufenthalt unvergeßlich sein sollte. Es wurde ein solcher Erfolg, daß viele Mitarbeiter des Buontalenti nach Beendigung der Festlichkeiten Florenz verließen, um in den größten Städten Europas dieses wertvolle Rezept bekannt zu machen.

Diese zwei Italiener waren die echten Interpreten des italienischen, handwerklichen Eises. Auch die  erste Person, die das Eis in einem öffentlichen Lokal zu verkaufen beschloß, war ein Italiener. Das Eis wurde auf industrieller Ebene hergestellt, soweit man zu der Zeit von industriell sprechen konnte.

Francesco Procopio Coltelli, ein junger Sizilianer aus der Provinz Catanias, erbte von seinem Großvater eine seltsame Maschine für die Eisherstellung. Mit dieser zog er nach Paris , um dort sein Glück zu versuchen, und er schaffte es. 1686 eröffnete er in der Rue de L'Ancienne Comédie, gegenüber der Comédie Francaise, die erste Eisdiele. Er erhielt von Ludwig XIV die königliche Lizenz und somit das Monopol zur Herstellung dieses besonderen Desserts, dem Eis. Das Café Procope wurde eines der berühmtesten literarischen Treffpunkte in ganz Frankreich, das auch von Voltaire besucht wurde. Die Straße zur Verbreitung des Eises war auch dank der berühmten Eisverzehrer, wie Napoleon, Balzac und Victor Hugo, geebnet worden.

Das Leben in den Tälern des Cadore war nicht so prachtvoll wie in Paris, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen anfingen in Richtung Norden zu emigrieren, um dort ihr Glück zu machen. Dank dieser Menschen ist heute in Deutschland das italienische, handwerklich hergestellte Eis weit verbreitet.

Anfangs verlagerte sich die Emigration in Richtung Osten, wie die Tschechoslowakei und Ungarn. Danach kam Österreich und mit einer Unterbrechung zwischen den beiden Weltkriegen, gelangte das Eis auch nach Deutschland. Die Besonderheit dieser Tätigkeit war und ist heute noch, daß man während den Wintermonaten für 2-3 Monate wieder nach Hause fährt. Es war ein Zeitraum, in dem man sich erholte und die Eindrücke und gemachten Erfahrungen im Ausland unter sich austauschte und langsam die Eismethode kreierte, die das italienische Eis von anderen unterscheidet. Außerdem benutzte man diese Monate, um neue Arbeitskräfte für die folgende Saison einzustellen. Aus diesem Grund konnte man in Deutschland in all diesen Jahren die unverkennbare/typische italienische Identität des Personals und der Eiscafébesitzer beibehalten, da diese Menschen fast ausschließlich aus Venetien und dem Friaul kamen.

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Eiscafé Dolomiti Olching
Antonella De Peron
Hauptstraße 83
82140 Olching
Tel. 08142/4793-0
www.eiscafe-dolomiti.de

Öffnungszeiten:

Montag - Sonntag
10.30 Uhr - 23.00 Uhr
kein Ruhetag

Saisonbetrieb von: Februar - Oktober